Wilhelm von Junzt
16.08.2011, 01:47
http://2.bp.blogspot.com/_DWfA_pTjPk8/TLKonzPyyBI/AAAAAAAAACc/Z4HQm9YJPYU/s400/William_Gibson_by_FredArmitage.jpg
William Gibsons Neuromancer gilt als DER Cyberpunk-Klassiker schlechthin, aber ich will mich in dieser Vorstellung hier bewusst nicht an dem bösen C-Wort festbeißen. Timothy Leary schrieb in den 70ern in der Gefangenschaft in etwa sinngemäß, der an (spiritueller?) Evolution Interessierte sollte die mystische und esoterische Literatur beiseite legen und stattdessen Science Fiction lesen. Das muss in etwa fünf Jahre gewesen sein, bevor Gibsons erste Kurzgeschichte abgedruckt wurde, aber rückblickend könnte man meinen, der gute Dr. hätte bei dieser Empfehlung speziell Neuromancer und Co. im Sinn gehabt.
Der erste, selbstbetitelte Roman der Neuromancer-Trilogie erschien 1984 und wurde von Gibson noch auf einer Schreibmaschine der altmodischen Art verfasst. Weiterhin dachte der Autor offensichtlich noch in Megabyte-Größenordnungen und hatte keine schlimmere Befürchtung als die, man könnte seinen Roman für eine Kopie des Science-Fiction-Streifens Blade Runner von Ridley Scott halten, der zwei Jahre früher in die Kinos gekommen war. Neuromancer entwickelte sich überraschend zu einem Erfolg und brachte seinem Schöpfer zahlreiche Preise, darunter den Philip-K.-Dick-Award, ein. Bis 1988 erschienen mit Count Zero und Mona Lisa Overdrive zwei Fortsetzungen, die, unter anderem bedingt durch verschiedene, parallele Handlungsstränge, ein weitaus lebendigeres und facettenreicheres Bild der Neuromancer-Welt zeichnen als Gibsons Roman-Debut, aber bei der Kritik insgesamt eher schlechter abschnitten als der Trilogie erster Teil. Von der genauen Handlung der drei Romane kann man sich letztendlich keinen Eindruck machen, ohne diese zu lesen, und um ehrlich zu sein, wäre vermutlich nichteinmal das ein Garant dafür.
Ich weiß nicht mehr, ob in dem Roman konkrete Jahreszahlen genannt werden. Die Handlung dürfte etwa gegen Mitte des 21. Jahrhunderts einsetzen und die Welt wird nurmehr nicht mehr von (National)Staaten, sondern offen von Konzernen oder generell jedem, der es sich finanziell leisten kann, beherrscht. Bei genügend Guthaben stehen nahezu unegrenzte Möglichkeiten offen, von Gentechnologie und Kryonik über künstliche Intelligenz bis hin zu kriegswaffentauglichen Körperimplantaten. Wer kein Geld hat, kann sich mit etwas Glück als Handlanger für diejenigen verdingen, die Geld haben, meistens als Cyberspace-Hacker oder Söldner. Vor diesem Hintergrund spielt Neuromancer. Mann kann sagen, dass Gibson einige der atemberaubendsten Visionen von der Zukunft der Menschheit und ihrer Zivlisation entwirft, die es bis auf den heutigen Tag im Science Fiction Genre gegeben hat, nur dummerweise sind es oftmals auch gleichzeitig seine Protagonisten, die am Wenigsten davon mitkriegen, weil sie wahlweise mit dem eigenen Überleben, dem Menschlich-Zwischenmenschlichem oder der Frage, woher sie denn bloß das Geld für die Drogen nehmen sollen, beschäftigt sind.
Wenn man die Trilogie beendet hat, wird es vermutlich einige Zeit dauern, bis eine weitere Besonderheit ins Bewusstsein rückt: In den Romanen kommt nichts "Übernatürliches" vor, von Fantasy-Elementen ganz zu schweigen. Natürlich sind die Romane hochradig phantastisch, aber in der Welt von Neuromancer beruht diese Phanastik ausschließlich auf High Tech... High Tech und vielleicht einer kleinen Prise Metaphysik.
William Gibsons Neuromancer gilt als DER Cyberpunk-Klassiker schlechthin, aber ich will mich in dieser Vorstellung hier bewusst nicht an dem bösen C-Wort festbeißen. Timothy Leary schrieb in den 70ern in der Gefangenschaft in etwa sinngemäß, der an (spiritueller?) Evolution Interessierte sollte die mystische und esoterische Literatur beiseite legen und stattdessen Science Fiction lesen. Das muss in etwa fünf Jahre gewesen sein, bevor Gibsons erste Kurzgeschichte abgedruckt wurde, aber rückblickend könnte man meinen, der gute Dr. hätte bei dieser Empfehlung speziell Neuromancer und Co. im Sinn gehabt.
Der erste, selbstbetitelte Roman der Neuromancer-Trilogie erschien 1984 und wurde von Gibson noch auf einer Schreibmaschine der altmodischen Art verfasst. Weiterhin dachte der Autor offensichtlich noch in Megabyte-Größenordnungen und hatte keine schlimmere Befürchtung als die, man könnte seinen Roman für eine Kopie des Science-Fiction-Streifens Blade Runner von Ridley Scott halten, der zwei Jahre früher in die Kinos gekommen war. Neuromancer entwickelte sich überraschend zu einem Erfolg und brachte seinem Schöpfer zahlreiche Preise, darunter den Philip-K.-Dick-Award, ein. Bis 1988 erschienen mit Count Zero und Mona Lisa Overdrive zwei Fortsetzungen, die, unter anderem bedingt durch verschiedene, parallele Handlungsstränge, ein weitaus lebendigeres und facettenreicheres Bild der Neuromancer-Welt zeichnen als Gibsons Roman-Debut, aber bei der Kritik insgesamt eher schlechter abschnitten als der Trilogie erster Teil. Von der genauen Handlung der drei Romane kann man sich letztendlich keinen Eindruck machen, ohne diese zu lesen, und um ehrlich zu sein, wäre vermutlich nichteinmal das ein Garant dafür.
Ich weiß nicht mehr, ob in dem Roman konkrete Jahreszahlen genannt werden. Die Handlung dürfte etwa gegen Mitte des 21. Jahrhunderts einsetzen und die Welt wird nurmehr nicht mehr von (National)Staaten, sondern offen von Konzernen oder generell jedem, der es sich finanziell leisten kann, beherrscht. Bei genügend Guthaben stehen nahezu unegrenzte Möglichkeiten offen, von Gentechnologie und Kryonik über künstliche Intelligenz bis hin zu kriegswaffentauglichen Körperimplantaten. Wer kein Geld hat, kann sich mit etwas Glück als Handlanger für diejenigen verdingen, die Geld haben, meistens als Cyberspace-Hacker oder Söldner. Vor diesem Hintergrund spielt Neuromancer. Mann kann sagen, dass Gibson einige der atemberaubendsten Visionen von der Zukunft der Menschheit und ihrer Zivlisation entwirft, die es bis auf den heutigen Tag im Science Fiction Genre gegeben hat, nur dummerweise sind es oftmals auch gleichzeitig seine Protagonisten, die am Wenigsten davon mitkriegen, weil sie wahlweise mit dem eigenen Überleben, dem Menschlich-Zwischenmenschlichem oder der Frage, woher sie denn bloß das Geld für die Drogen nehmen sollen, beschäftigt sind.
Wenn man die Trilogie beendet hat, wird es vermutlich einige Zeit dauern, bis eine weitere Besonderheit ins Bewusstsein rückt: In den Romanen kommt nichts "Übernatürliches" vor, von Fantasy-Elementen ganz zu schweigen. Natürlich sind die Romane hochradig phantastisch, aber in der Welt von Neuromancer beruht diese Phanastik ausschließlich auf High Tech... High Tech und vielleicht einer kleinen Prise Metaphysik.