PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bolt Thrower, Kataklysm, God Dethroned im Bremer Wehrschloss, 23.04.06


misanthropic
26.04.2006, 23:49
http://xs78.xs.to/pics/06171/BoltThrower3.JPG (http://xs.to)

Als ich hörte, dass jemand dieses Hammerpackage nach Bremen holt, fiel ich bei dieser Nachricht erstmal auf die Knie und huldigte den Death Metal-Göttern. Gestern Abend war es nun soweit und die britische Panzerkompanie namens Bolt Thrower stand vor den Toren Bremens, bereit unser kleines Städtchen dem Erdboden gleich zu machen. Als Unterstützungswaffen hatte man die Mannen von Kataklysm und God Dethroned dabei. Stand anfangs noch Gorefest mit auf dem Tourplan, entschieden sich die Briten aus bisher unbekanntem Grund doch lieber für die Kanadier um Maurizio Lacono. Aber das sollte der Qualität diesem zweiten Teil der Europatournee keinen Abbruch tun und das Konzert war somit schon im Vorverkauf nach kürzester Zeit komplett ausverkauft.

Schon am Eingang wurde allerdings klar, dass dieser Abend nicht ganz einfach werden würde, denn Bolt Thrower hatten ein Plakat ausgehängt, dass die Location nach ihrer Meinung nach mit ca. 350 verkauften Karten völlig überfüllt wäre und alle die bis 21.30 Uhr meinen, dass es ihnen zu voll wäre, ihre Karte zurückgeben könnten. Dies spricht aber auch wieder für die extreme Fanfreundlichkeit und Korrektheit gegenüber den Fans für die Bolt Thrower bekannt sind......wirklich Gebrauch hat von diesem Angebot allerdings wohl keiner gemacht. Da das Wehrschloss eher für höchstens 250-300 Personen ausgelegt ist, wurde es also ein sehr kuscheliger Abend.

Um 20:30 Uhr betraten dann die Holländer von God Dethroned die kleine Bühne des Wehrschlosses. Noch hatte man Platz und konnte atmen, denn viele waren zu dieser Zeit mit Dingen wie Bierbefüllung, Bekannte begrüßen und Merchandise-Eindeckung beschäftigt. Da es auch noch ziemlich hell war, wollte der Funken nicht so richtig zum Publikum überspringen und es waren nur vor der Bühne einzelne Moshaktionen zu entdecken. Ich selber besitze leider nur die "Into The Lungs Of Hell" und somit waren Songs wie "The Warcult" und "Soulsweeper" auch die Höhepunkte für mich. Aber auch für meine Ohren neue Songs wie "Villa Vampiria" oder "The Somberness Of Winter" wussten zu gefallen. Zum Schluss wurde auch das Publikum etwas gelöster und die Band spielte nicht mehr ganz so statisch ihr Programm runter. Alles in Allem ein guter, aber nicht überragender Auftritt, was als Vorband bei den nun folgenden Granaten aber auch nicht ganz einfach ist.

Ich bin dann erstmal wieder raus in den Innenhof und beschäftigte mich mit Dingen die man halt so in Umbaupausen macht........also Bier und so...ihr wisst schon ;)… Als dann die ersten Töne von Kataklysm zu vernehmen waren schnell wieder los und rein in den Saal.....na ja, so war jedenfalls mein Vorhaben, aber am Eingang stand ich erstmal vor einer dichten Wand aus Leibern, die sich keinen Zentimeter bewegen wollte. Also mit etwas Nachdruck hinein gequetscht. Sorry, hiermit an alle die ich mit meinem zarten Leib etwas unsanft zur Seite geschoben hab, aber wir waren ja schließlich nicht auf einem Tanztee. Kataklysm machten gleich von Beginn an Stimmung und die Haare flogen soweit dies das die Enge zuließ. Die Kanadier spielten natürlich massig neues Material vom "In The Arms Of Devastation"-Album, was bei Songs wie "Like Angels Weeping", "Crippled And Broken" oder "The Road of Devastation" auch nicht wirklich schlimm ist. Aber auch älteres Material sorgte für Bewegung in der Masse und offene Münder. Anzumerken wäre noch das es faszinierend ist, dass der Sänger von Tour zu Tour immer quadratischer wird. Aber wie hieß es noch in der Werbung, "quadratisch - praktisch - gut".....dem wäre wohl nichts hinzu zu fügen.

Die nächste Umbaupause dauerte ein wenig länger, aber ich bin vorsichtshalber im Saal geblieben um mir einen Platz in Fensternähe zu sichern, um wenigstens ein wenig Luft zu bekommen. Dann wurde es dunkel und eine kleine, feine Melodie läutete die Zerstörung Bremens ein. Ein paar Wenigen war am Grinsen anzuerkennen, dass sie das Intro als Melodie des kleinen "Meuterei"-Vorfilms von Monty Python's "The Meaning Of Life" identifizierten. Nun betraten aber auch die Mannen um den "verlorenen und wieder gefundenen Sohn" Karl Willets die Bühne. Schon am breiten Grinsen Karl Willets war zu erkennen dass die Jungs und das Mädel bester Laune waren und richtig Lust hatten uns eine Granate nach der anderen um die Ohren zu hauen. Für mich war es das erste Mal, dass ich Karl Willets live am Mikro sah und er stellte sich als genialer Frontmann heraus, der nicht krampfhaft evil, sondern grinsend freundlich das Publikum und sogar die Leute draußen am Fenster, die keinen Platz im Saal gefunden hatten, mit einbezog. Die Masse drehte dann auch richtig auf und machte keine Gefangenen. Es wurde die Mähne von der ersten bis zur letzten Reihe in Schwung gebracht und ein Stagediver nach dem anderen wurde nach hinten durchgegeben. Bei Bolt Thrower einzelne Songs hervorzuheben wäre Blasphemie, denn bei DER Masse an Hits die die Briten im Gepäck haben ist jeder Song ein Killer. Irgendwann forderte die Hitze im Saal ihren Tribut und die Band verschwand nach ein paar etwas verzweifelten Blicken von Jo Bench erstmal hinter der Bühne. Nach einer kleinen Verschnaufpause legten die Briten allerdings nochmal locker eine ordentliche Zugabe oben drauf und hinterließ ein völlig fertiges, aber glückliches Publikum. Ich hoffe dies war nicht das letzte Mal das so etwas über Bremen hereinbricht...denn es gibt Tage, da macht sogar Krieg Spaß! :bang2: