PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ägyptologie, der kommende Musik-Kult?


Asmo
25.08.2007, 12:13
Bands wie aktuell Nile und Melenchesh machen uns Agypten seit jeher schmackhaft, nicht nur textlich sondern auch stilistisch. Einige Versände haben dies bereits erkannt und unter den üblichen Totenköpfen mischen sich nun auch Mumien und andere Artikel im Wüstenstil.
Glaubt ihr, dass in Zukunft vieleicht einige den Thorhammer gegen einen Skarabäus eintauschen und anstatt zu Thor vieleicht zu Ra beten? Ich muss zugeben, dass das ganze sich irgendwie absurd anhört, vor allem weil wir als Europäer eher den Hang zu nordischen und heidnischen Religionen besitzen, weil diese durch Herkunft und Geschichte auch näher liegen. Zu bedenken gebe ich aber, dass die meisten von uns (reine spekulation!) in christliche Familien hineingeboren wurden und sich dann entschieden haben zu etwas anderem zu konvertieren. Und zu welchem Glauben wir konvertieren entscheiden wir dann selber, je nach Geschmack, Logik und dem, was grade angesagt ist, so traurig es auch klingt.

Also die Frage: Wird es bald eine fest etablierten, wachsenden religiösen Agyptenkult in der Metal-Szene geben?

Ich gebe zu, es ist eine gewagte Theorie und ich als Einzelperson kann lange nicht alle Aspekte dafür zusammentragen um ein objektives und schlüssiges Ergebnis zu erstellen. Vor allem, weil ich auch nicht weis ob ein solcher Kult nicht schon längst durch den Metal wandert. Sollte dem so sein, so habe ich davon noch nicht viel mitbekommen.
Meiner Meinung nach verhält sich das alles wie bei jedem anderen Kult, der am entstehen ist. Man brauch genug Vorbilder, die es einem vormachen und genug Leute, die auf diesen Zug mit aufspringen und schon haben wir eine Kettenreaktion. Wie ernst zu nehmen diese Leute sind, ist natürlich fraglich, aber darum geht es grade nicht.

Also, wie seht ihr das?

Iron Angel
25.08.2007, 12:45
Klar, wenn irgendwelche Lichtgestalten vorangehen, werden die Typen mit Mitläufermentalität (und davon gibts auch im Metal reichlich) hinterherrennen, aber ich glaube nicht, daß sich ein Ägyptenkult dauerhaft im sogenannten Underground etablieren wird. Wenn überhaupt, dann vielleicht irgendwo in den tiefsten Katakomben des Untergrunds des Underground. Also dort, wo ihn sowieso niemand sieht und wo er vergessen wird und nur von einigen wenigen Voll-Cracks am Leben gehalten wird.
Gibt ja viele Spielarten des Metals, irgendwo paßt auch die ägyptische Mythologie dort hinein (so wie eigentlich jede andere auch), aber die Masse der Bands wird sich wohl, sofern mythologisch angehaucht, auch weiterhin an der nordischen Mythologie orientieren. Hängt sicherlich auch damit zusammen, daß viel bekannte Metalbands irgendwie aus dem nördlichen Kulturkreis kommen bzw. der Hauptabsatzmarkt für Metal in eher nördlichen Gefilden liegt.

exumer
25.08.2007, 13:06
Also ich denke auch, dass gerade die ägyptische Mythologie eher ne Randerscheinung bleiben wird. Zumindest bei Bands, die wie Nile ihr gesamtes Konzept danach ausrichten. Bands, die Texte oder Textstellen aus dieser Mythologie genommen haben gibt es da hingegen häufiger.

Ich möchte aber auch ganz gern noch mal darauf hindeuten, dass nicht alles, was irgendwie orientalisch ist oder anmutet auch gleich ägyptisch ist. So hat z.B. Melechesh rein gar nichts mit Ägypten zu tun. Melechesh bedienen sich aus der mesepotamisch-/sumerisch-/persischen Mythologie, die rein gar nichts mit dem Land am Nil gemein hat. Das ist ungefähr so, als ob man die nordische und die keltische Mythologie über einen Haufen wirft.
Auch muss ich anmerken, dass es Bands, die sich aus dem mesepotamischen Mythologiefundus bedienen viel häufiger gibt, als ägyptische. Man denke nur an Bandnamen wie Marduk, Gates of Ischtar, Absu, Tiamat, etc. Auch haben viele Bands ihre Textbackgrounds aus diesem Bereich entlehnt, u.A. häufig zu finden bei Morbid Angel, Absu, Zemial, etc.

Außerdem möchte ich noch betonen, dass es nicht eine zwangsweise Annäherung an die nordische Mythologie gibt, nur weil wir das "im Blut" haben. Ich kann nur von mir sprechen und ich fühle mich seit je her viel eher an die hellenische Mythologie gebunden, als an die nordische, obwohl ich meinen Namen bis nach Schweden zu Zeiten des 30-Jahrigen Krieges zurückverfolgen kann...

Count Carnage
25.08.2007, 13:12
...mir is sowas wie ein Ägyptentrend auch net aufgefallen.. allerdings bin ich wohl net so bewandert, was die entsprechenden Bands angeht.
Mercyful fate haben ja auch schon auf der Ägypterklaviatur gespielt, trotzdem denke ich eher wie exumer, das ein spatz noch keinen frühling macht: Bands an sich alleine machen keinen Kusikkult. Da brauchts ein drumherum, da reicht die mucke allein nicht. Wenn Fans anfangen, wie Pharaonen geschminkt oder mit den kopfbedeckungen rumzulatschen....

DerMarc
25.08.2007, 13:16
... dann taucht irgendwann der erste 14jährige auf, der pausenlos: "Osiiiiriiiiis!" brüllt und der "Pyramidahl Versand" verdient sich dumm und dämlich mit "Mein Leben für Anubis" und "Ra statt Jesus" Shirts.

Wilhelm von Junzt
25.08.2007, 14:02
Ne, ich denke auch nicht wirklich, dass es zu einem Ägyptenboom kommt oder kommen wird. Hat eventuell auch damit zu tun, dass sich die ägyptische Mythologie schwerer plakativ ausschlachten lässt. Der barbarische Wikinger samt Methorn gibt eben leichter und einfacher etwas her als ein etwaiges Gegenstück aus der Nilregion.

Falkenbach
25.08.2007, 14:09
Trendhuren mit Skarabäus und ähnlichen Utensilien sollten einen großen Bogen um mich machen!

Heine
25.08.2007, 14:30
könnte ich mir vorstellen dafür müsste das aber meiner meinung nach noch stärker in der musik vertreten sein nicht nur in ein paar bands, ob das jetzt was für mich wäre ist ne andere frage ^^ ich denke hochstwarscheinlich nicht ;)

Ka-Nacht Tut-Mesut
25.08.2007, 14:33
Ich hoffe es wirklich nicht, weil ich keine Lust darauf habe das mein Hobby und mein großes Interesse unterwandert wird.
Ich hoffe wirklich das alles so rar bleibt wie es ist.

Ich kann viele gut verstehen wo es schon so ist und ich hoffe wie gesagt einfach mal. Ich glaube auch nicht das dies so massentauglich erscheinen kann wie andere Kulte oder Kulturen. Ich kann es nicht erklären, aber es liegt einfach so im Gefühl.
Das Thema ist einfach ellenschwierig.

Asmo
25.08.2007, 17:11
Original von Falkenbach
Trendhuren mit Skarabäus und ähnlichen Utensilien sollten einen großen Bogen um mich machen!

Heute morgen dachte ich mir was ähnliches, nur es ging dabei um Off-Topic Spam und diesen Thread ;)

Andi.7779
25.08.2007, 17:31
Original von exumer... Ich kann nur von mir sprechen und ich fühle mich seit je her viel eher an die hellenische Mythologie gebunden, als an die nordische, obwohl ich meinen Namen bis nach Schweden zu Zeiten des 30-Jahrigen Krieges zurückverfolgen kann...

mal kurz offtopic: Die hellenische und die ''nordische'' Mythologie weist meines Wissens aber nicht allzu große Unterschiede auf. Die Hierarchie im Götterhimmel (''Olymp'', ''Asgard'') ist bis auf die Namen doch in Funktion und Aufgaben nahezu identisch, oder?

topic: Glaube ich nicht dran. Dafür ist die ägyptische Mythologie zu ''fern'' und zu brav als im Metal Fuß zu fassen. Sollte das wider Erwarten doch passieren, dann wird die zweite Welle von Mitläufern (nach dem ganzen-Wiking-/Pagan-Gedöns) auf uns zu kommen. Davor bewahre uns Rob Halford, denn der ist ja bekanntlich der einzig wahre Metal-Gott! ;)

Heidenherz
25.08.2007, 17:42
Nö nich der Halford, der is mir zu warm :P

topic:
Glaub auch nicht dran das sich die Sache zu nem zweiten Viking/Pagan Trend entwickelt.
bands wie o.g. Nile fahren ihre ziemlich eigene Schiene und das darauf Massen von Mitläufern springen wag ich mal zu bezweifeln.

Semizero
25.08.2007, 22:30
denk auch nicht, dass das solche Ausmaße annimmt. Ich sehe Nile eher als 'nen speziellen Bereich im Death Metal und nicht als Trendsetter des "Egypt Metal". Natürlich wird's kleine Mengen an Leuten geben, die in Zukunft mit Ägyptisch-mythologischen T-Shirts rumrennen, aber das wird sich nicht auf größere Massen ausweiten.

exumer
25.08.2007, 23:58
Original von Andi.7779
mal kurz offtopic: Die hellenische und die ''nordische'' Mythologie weist meines Wissens aber nicht allzu große Unterschiede auf. Die Hierarchie im Götterhimmel (''Olymp'', ''Asgard'') ist bis auf die Namen doch in Funktion und Aufgaben nahezu identisch, oder?


Parallelen sind vorhanden, allerdings denke ich trotzdem nicht, dass man beide miteinander vergleichen kann. Immerhin gibt es bei den meisten Polytheismen irgendein Obermotz mit seiner Riege an Homies, die alle für ein anderes Naturereignis stehen. Da es nur eine begrenzte Anzahl an ehrfurchtgebietenden Naturspektakeln gibt, sind sich diese Götter dann natürlich ähnlich. Ob es eine wirkliche Verwandtschaft der beiden Mythologien gibt, sei dann einmal dahingestellt. Im Fall Nordisch vs. Hellenisch kann ich nur sagen, dass ich es nicht weiß, aber vielleicht kennt ja jemand anderes hier entsprechende Arbeiten, weil mich das nämlich auch mal interessieren würde....

Heidenherz
26.08.2007, 00:23
Original von exumer
Immerhin gibt es bei den meisten Polytheismen irgendein Obermotz mit seiner Riege an Homies,....

So geil formuliert hab ich das auch noch nie gelesen :hoch:

Nord
26.08.2007, 11:00
man kanns wohl nicht auschließen. aber ich denke nicht das das zu nem trend wie viking wird. ich kann mir aber sehr gut vorstellen das es immer ein paar bands geben wird die das spielen werden. und damit wird es dann auch nen kleinen kreis von leuten geben die daran glauben.

Wilhelm von Junzt
26.08.2007, 11:40
@ Exumer: Da fallen mir diverse Schriftzeugnisse aus der Antike zu ein. Wenn ich mich richtig erinnere, haben Caesar und Tacitus die Gottheiten der verschiedenen Pantheonen (Ist dieser Plural korrekt?) ihrem Publikum dadurch nähergebracht, indem sie die Götter der Germanen einfach mit ihren einheimischen gleichgesetzt haben. Das deutet meiner Meinung nach schon darauf hin, dass die Unterschiede relativ gering sein müssen, wenngleich die Verfasser natürlich auch Eigeninteressen dabei hatten. Ok, die römische Mythologie ist auch nicht vollständig mit der hellenischen identisch, aber ich denke, dass man sich in diesem Rahmen auch darauf beziehen kann.

Asmo
26.08.2007, 13:48
@exumer: Von Orient-mythologien und Religion habe ich keine Ahnung. Danke für die Aufklärung ^^

Son wuchtiger Donnergott, der jeden wegsmashed der ihn nicht anchillt schockt natürlich mehr als ein Sunnyboy mit nem Tierkopf. Hat jemand ne Ahnung was die Südeuropäer nahe dem Mittelmeer so anbeten? Mit den nordischen Göttern haben die, denke ich mal, wenig zu tun. Wären die durch die Nähe zum Orient nicht theoretisch "anfälliger" für Ra, Osiris und all die anderen Stargate Veteranen?

Iron Angel
26.08.2007, 15:08
Welche Südeuropäer meinst du denn? Heutzutage sind die wohl eher christlich ausgerichtet...
Die antiken Gottheiten der Mittelmeeranrainer lassen sich auf jeden Fall gut metallisch vertonen, haben sicherlich auch schon einige gemacht, nur fällt mir jetzt ganz spontan keine Band ein. Einen antiken, südeuropäischen Gott siehst du auf meinem Ava. Um es mal mit den Worten Holst's zu sagen: Mars, the bringer of war.

Cauterizer
26.08.2007, 15:34
also ich denk mal, das potential eines ägypten-trends konnte schon vor jahren, als maiden die powerslave rausbrachten abgeschätzt werden - höchstens marginal existent

also ich denk, da ist kein großer "trend" zu erwarten

andererseits kann ich mir aber auch nicht erklären, was diese faszination am ganzen neuheidentum ausmacht. ist das vielleicht sowas wie "ich bin christlich erzogen worden, wurde metaller, nicht punk, drum muss ich jetzt gegen die religion anstatt gegen den staat rebellieren"??

naja, auch egal, kann mir das ganze heidengetue nicht erklären, kann mit der musik nix anfangen (da wären mir agypter wie NILE durchaus sympathischer) und glaube, von agypten geht kein neuerlicher "religionswechsel" aus.

punkt.

Fuavarra
26.08.2007, 17:19
Original von Asmodeus
Wären die durch die Nähe zum Orient nicht theoretisch "anfälliger" für Ra, Osiris und all die anderen Stargate Veteranen?

Wobei bei Stargate meines Wissens nach auch ein Thor sowie das Volk der Asgard vorkommen :)

@topic Ich hab ebenfalls nichts von einem Ägypten-Trend in der Metal-Szene bemerkt, dafür aber, dass ich einen netten Skarabäus aus Kairo zu Hause habe. Ist doch auch mal was ^^

dauðamaðr
27.08.2007, 08:15
Auch auf die Gefahr hin, daß der Herr Asmodeus die rote "off topic-Karte" zieht...

Original von exumer

Parallelen sind vorhanden, allerdings denke ich trotzdem nicht, dass man beide miteinander vergleichen kann. [...] Ob es eine wirkliche Verwandtschaft der beiden Mythologien gibt, sei dann einmal dahingestellt. Im Fall Nordisch vs. Hellenisch kann ich nur sagen, dass ich es nicht weiß, aber vielleicht kennt ja jemand anderes hier entsprechende Arbeiten, weil mich das nämlich auch mal interessieren würde....

Mit der Halbwertszeit wissenschaftlicher Theorien ist es ja immer so ’ne Sache, aber da die der auf die Trojafabel gründende Aseneinwanderung in den Norden in der Nordistik als relevant gilt und immer wieder diskutiert wird, sollte man sie bei deiner Frage nicht unbeachtet lassen.

Aufgrund mehrerer Indizien in überlieferten literarischen Quellen wird angenommen, daß es sich bei den Asen um Trojaner, also Menschen, handelte, die nach dem Fall Trojas über Deutschland und Dänemark nach Schweden kamen, um dort ein neues Reich zu gründen. Der schwedische König Gylfi wurde von den Asen getäuscht, wovon die Snorra Edda berichtet, und im Laufe der Zeit wurden die eingewanderten Asen von den Menschen wegen ihrer großen Taten und ihrem Geschick mythifiziert und vergöttlicht. Nur einige wenige Anhaltspunkte hierfür sind u. a.


1.) zugegebenermaßen abenteuerlich anmutende etymologische Herleitungen, wie sie fürs Mittelalter jedoch nicht ungewöhnlich waren, bei denen die Namen der Götter großzügig von denen der trojanischen Helden, Priamus = Odin, Hektor = Thor, Ulixes = Loki usw. und weitere Analogien wie Asgard = Troja oder Ragnarök = Fall von Troja abgeleitet wurden.

2.) desweiteren sollen die Æsier aus Asien gekommen sein, was wiederum ganz in der ex oriente lux-Tradition des Ostens als Licht- und Kulturbringer ist und Odin in den Erzälungen als eben jener auftritt, der die Dicht- und Zauberkunst wie auch Gesetze und eine edle Sprache in den Norden bringt.

3.) daß der Trojastoff im Norden bekannt war, sich z.B. schon mit der Trójumanna saga eine altisländische Bearbeitung dieses Themas findet.

4.) daß sich selbst in der bekanntesten Quelle, der Snorra Edda, Verweise auf Troja finden, so sagt Hoch in der Gylfaginning auf Gylfis Frage nach der Erschaffung der Götterstadt Asgard "Danach schufen sie sich in der Mitte der Welt eine befestigte Stadt, die Asgard heißt. Wir nennen sie Troja."

5.) im Edda Prolog steht weiterhin „Nahe der Weltmitte wurde jene feste Wohnstätte und Burg errichtet, welche die berühmteste von allen gewesen ist; sie hieß Troja. Wir nennen die Gegend Tyrkland.“ Klingenberg schreibt hierzu "Tyrkland, die Heimat Odins in voraugusteischer Zeit, aber auch das Reich des Priamus im dritten Weltzeitalter und Tyrkir ein Name für Priamus und die Seinen.“

6.) daß in der Gylfaginning nicht etwa steht, Gylfi wäre zu dem mythischen Asgard gelangt, sondern, daß die zauberkundigen und mit seherischen Fähigkeiten begabten Asen, Menschen wohlgemerkt, ihn mit einer sjónhverfing, Sinnestäuschung, blendeten.

7.) es etwa zum Schluß der Gylfaginning heißt, die Asen "setzten sich dann zum Gespräch und hielten Rat, und sie riefen sich all die Geschichten wieder in Erinnerung, die sie ihm [Gylfi] erzählt hatten, und sie gaben nun dieselben Namen, von denen sie vorher berichtet hatten, den Menschen und den Wohnstätten bei ihnen selber. Denn die Menschen sollten dereinst nach langer Zeit gar nicht mehr bezweifeln, daß alle dieselben seien, die Asen, von denen sie eben berichtet, und die, denen sie nun die gleichen Namen gegeben hatten."


Das war jetz' arg gerafft, aber da auf diese Art der Trojastoff in den Norden gelangt sein könnte, liegt zumindest die Vermutung nicht fern, daß die Asen neben ihrer eigenen Geschichte um Troja auch den ihnen bekannten Götterstoff einfließen ließen, um Gylfi im Wissenswettstreit zu besiegen. Somit läge eine Verwandtschaft des hellenistischen / nordischen Pantheons gar nicht so fern.

Es gibt natürlich genauso gut Gegentheorien, die das mit historischen / archäologischen Fakten zu entkräften versuchen oder die Frage ob nicht nur durch einen Kniff, mit dem Homer dem Leser das Verständnis erleichtern wollte, die Götterwelt der Trojaner die der Griechen wurde, ganz so wie es später die Römer mit ihren Göttern taten, aber lest selbst…

DerMarc
27.08.2007, 10:30
Das klingt interessant, ist bei dem Vergleich Nordisches-Griechisches Pantheon aber sinnlos.

Laut der These, die du darstellst, werden die Trojaner ja später in der Sage zu den Asen, den Göttern, und nicht die Götter, die sie mitbringen.

dauðamaðr
27.08.2007, 10:39
Ist es nicht... Sie denken sich all die Geschichten über die Geschicke der Götter, die sie Gylfi erzählen, ja nicht aus dem Stehgreif aus, sondern schöpfen, wie schon geschrieben, neben ihrer eigenen Geschichte aus dem mitgebrachten Mythenfundus und dieser ist, soweit ich das auf der Grundlage meiner Homerlektüre beurteilen kann, dem griechischen gleich.

DerMarc
27.08.2007, 10:49
Ach, so meintest du das.
Dann hatte ich dich falsch verstanden.

Aber es ging ja trotzdem um die Frage ob man Zeus-Odin vergleichen kann und nicht ob man Odin-Priamos vergleichen kann.
Du schreibst ja selber, dass die Trojaner dann später in der Sage als Götter beschrieben werden und nicht ihre eigenen Götter.

Und das ihre Geschichten die Grundlage zum ganzen Schöpfungs-Weltuntergangszyklus der Germanen bilden, halte ich dann doch für etwas weit hergeholt, denn die Grundlage der germanischen Mythologie ist in etwa so alt wie die griechische und es gibt Belege, dass solche Vorstellungen in Südskandinavien bereits um 1800 v. Chr. vorherrschten, wobei man da natürlich gucken kann, wann man denn den trojanischen Krieg platzieren will...

dauðamaðr
27.08.2007, 11:05
Ich stecke ja nicht in exumer drin, aber ich glaube nicht, daß er gefragt hat, ob man Odin mit Zeus gleichsetzen kann, sondern nach einer Verwandchaft der Mythologien. In meinen Ohren ein wenn auch feiner, aber bedeutsamer Unterschied...

Und wenn sich z. B. die Besetzung des charakterlichen Götter- und Dämoneninventars im Griechischen und Altnordischen gleicht und man anhand der Quellentexte darüberhinaus Überschneidungen in der Namensgebung nachweisen kann, bekommt die Frage nach einem gemeinsamen Ursprung für mich durchaus Relevanz. Priamus wurde, dieser Theorie folgend, zu Odin, richtig, doch ich glaube, daß ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich sage, daß bei dem durch den Wissenswettstreit einsetzenden Euhemerismus , der Vergöttlichung, die Figur des Priamus durch dem Zeus zugedachte Attribute aufgeladen wurde, weswegen du das nicht so leicht in eine "Priamus gleich Odin ungleich Zeus-Formel" packen kannst.

Da ich es nicht so mit Jahreszahlen habe, interessiert mich noch, auf welche Belege du anspielst. Hast du Literaturhinweise dazu?

DerMarc
27.08.2007, 11:15
Original von dau ama r
Ich stecke ja nicht in exumer drin, aber ich glaube nicht, daß er gefragt hat, ob man Odin mit Zeus gleichsetzen kann, sondern nach einer Verwandchaft der Mythologien. In meinen Ohren ein wenn auch feiner, aber bedeutsamer Unterschied...


Gut, das hätten wir dann geklärt... Ich darf nicht mehr im Halbschlaf posten. ;)

Ich spiele zum Beispiel auf die Felsenzeichnungen von Tanum an, bei denen man bereits manche Attribute nordischer Götter finden kann, die im griechischen völlig fehlen.
Zum Beispiel die Wesenheit des Mannes, der mit seinem Hammer das Eis zerspringen lässt, um den Frühling einzuläuten, aus dem (wahrscheinlich) später Thor wurde.

Ich finde die Theorie, die du da vorstellst, aber dennoch ganz interessant und glaube, dass da vielleicht sogar ein Funken Wahrheit drinsteckt, auch wenn ich der Meinung anhänge, dass die Asen ein waffentechnisch überlegenes Nomaden und Jäger-Volk aus dem Osten waren, das die Feldbauern Mitteleuropas zunächst bedrohte, sich dann aber mit ihnen arrangierte.
Dieser Konflikt soll sich dann in der Asen-Wanen Geschichte niederschlagen.

Aber jetzt sind wir auch völlig Off-Topic.

exumer
27.08.2007, 17:09
@dau ama r: Wirklich ne interessante Theorie, allerdings weiß ich nicht, wieviel ich davon glauben kann (Hast du vielleicht Quellen, denen ich nachgehen kann?). Ich habe neulich erst einen Bericht gesehen, in dem man betreffs der Troja-Frage relativ sicher festgestellt hat, dass das Homerische Troja (so es denn je existiert hat) sowas wie ein Vorposten des Hethitischen Weltreiches war, welches dann zu Anfang der dunklen Jahre, bei denen dann auch die mykenische Kultur unterging, zerstört wurde. Sollte es einen Mythologie-Import zwischen Troja und den Norden gegeben haben, dann müsste dies sich doch eher in einer Verwandtschaft zwischen nordischen Göttern und denen des Hethiterreiches niederschlagen. Die Mykenische Kultur, aus der dann später die hellenische hervorging, hatte aber mit dem Hethiterreich nicht so viel zu tun gehabt (von der Kultur aus betrachtet). Deswegen glaube ich nicht, dass der Zusammenhang zwischen Troja und dem Norden so groß gewesen sein kann...

Aber egal, immerhin heißt diese Epoche ja "Die dunkle Epoche", weil man eben nicht sehr viel darüber weiß. Eh ein unheimlich spannendes Feld, da man nicht weiß, wer diese Aggressoren waren, die um 1200-1000 v.Chr. viele der Hochkulturen des Mittelmeerraumes vernichteten und das Volk praktisch wieder auf die Stufe der Steinzeit zurückkatapultierte....

ABER AAAAALES DERMASSEN OFF TOPIC.... ;) :D

dauðamaðr
27.08.2007, 21:38
Original von exumer

Hast du vielleicht Quellen, denen ich nachgehen kann?

Umfangreichste und wichtigste Quellen sind natürlich die altisländischen Überlieferungen wie die Snorra Edda mit dem Prolog, aber auch in der "Erdkunde", Heimlýsing, der Hauksbók oder in den zahlreichen Genealogien des altisländischen Textfundus', so etwa in Snorris Heimskringla, speziell der Yngligasaga, wirst du fündig werden. Frühe Verweise auf die Herkunft des asischen Herrschergeschlechts finden sich darüber hinaus in der Íslendingabók, in der bereits von einem Yngvi Tyrkjakonungr die Rede ist.

Wenn es dir um wissenschaftliche Bearbeitungen des Stoffes geht, empfehle ich Jan de Vries' "Altgermanische Religionsgeschichte" oder die Arbeiten Heinz Klingenbergs, wobei die Arbeit an den Quellentexten die fruchtbarste sein wird.

Der Prozeß der Vergöttlichung, des Euhemerismus', geht auf Euhemeros von Messene zurück, dessen Schriften jedoch verloren geglaubt sind und man sich so auf die Übersetzung des lat. Schriftstellers Ennius stützt.

Aber ja, exumer, du hast den Finger schon ziemlich gut drin in der Wunde, denn genau das ist wohl die Schwachstelle jeder Theorie, daß sie oftmals viel zu einseitig betrachtet werden. Was ich beschrieb, ist eine rein literaturwissenschaftliche Sichtweise, wogegen du dich auf historische Fakten stützt. Die "Wahrheit" liegt wahrscheinlich, wie es so schön heißt, in der Mitte und zu guter Letzt zieht womöglich noch das Avalon-Moment... "Alles ist Eins!" ;)

Dyssomnie
28.08.2007, 02:17
Ägyptologie
... hmmmm, also ich selbst, interessierte mich ja schon seit frühster Kindheit für Ägyptologie
aber für meinen persönlichen Geschmack passt die nordische Mythologie viel besser zum Metal .
Bitte nicht steinigen - Ich hab ein echtes Problem damit mir meinen Langhaarigen Bombenleger der arg nach einem Wikinger aussieht mir als Ägypter vorzustellen....
Anstelle von Thorshammer würde er dann wohl >mein< Henkelkreuz (Ankh )an der Schulter tragen :mauer:
Das past nicht wirklich in mein Weltbild.

Ausserdem ist mir hier in meinem näheren Umfeld noch kein Metaller auf dem Ägypten-tripp begegnet.