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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Bericht] Hells Pleasure 2007


Nattens
30.08.2007, 15:21
Pößneck lädt zum feuchtfröhlichen feiern, fallen... fabulieren. Nach zwei Tagen wilder Musik und ungezügeltem Alkoholmissbrauch ist es nun, nach einer „kurzen“ Periode der Besinnung und Regeneration an der Zeit das Erlebte zusammenzufassen und Lorbeeren, Ruten oder ähnliche Metaphern zu verteilen...

Beginnen wir am Anfang:
Freitag am frühen Nachmittag. Alle Besorgungen sind gemacht. Man trudelt zu schepperndem Dosengeballer auf dem Gelände ein und erlebt am Einlass die erste Überraschung: Flaschenbier und Konsorten sind auf dem Zeltplatz erlaubt. Schöne Scheiße denk ich mir und schau auf unseren Vorrat Marke PET-Plörre. Schnell die Nachhut informiert und weiter geht’s. Wagen geparkt und das kultige DDR-Zelt direkt daneben aufgeschlagen, wie sich das gehört. Dabei natürlich ein zwei Hülsen geköpft. Nach den ersten Wetterunpässlichkeiten in Form von „Küstenwinden“ die uns das Vorzelt rabiat geraubt haben und der Begrüßung allerlei bekannter Gesichter ging’s dann auf zur ersten Besichtigung des Platzes, des Festivalgeländes und der Merchandisemeile. Das Ergebnis ist ein rundherum positiver Eindruck. Zeltplatz und Festivalgelände vermitteln einen gemütlichen, familiären Charakter. Alles ist schnell zu erreichen und auch im Vollsuff kann das Zelt noch ausfindig gemacht werden, da man sich eben nicht durch 120.000 kleine Zeltdörfer wühlen muss. Im Innenhof herrscht ebenfalls gemütliches Ambiente. Die Versorgung der gierig-durstigen Meute wird durch einen breiten Tresen im Bierzelt sowie einen Bierwagen mitten auf dem Gelände sichergestellt – Top! Das Gelände an sich biete genügend Platz um vor der Bühne zu toben oder etwas Abseits im Stillen zu genießen.
Auf der Einkaufsmeile herrschte schon rege Betriebsamkeit und man hatte die Qual der Wahl bei welchem der acht (?!?!?) Stände (u.a. Ureuropa, Nocturnal Empire) man sein Geld in Waren tauschen möchte.

Der Startschuss für Deathronation rückte näher und so begab ich mich nach dem Auftanken am Zelt wieder aufs Gelände.
Dann endlich war’s soweit und der Opener des Hells Pleasure lies die Bühne zu brüllendem Leben erwachen. Nachdem ich meine, aufgrund der Lautstärke, blutenden Ohren versorgt und mich zum Mischpult zurückgezogen hatte, konnte ich mich ganz auf das Geschehen auf und vor der Bühne konzentrieren. Meine Erwartungen bezüglich Deathronation erfüllten sich leider nicht. Old-school Death herrschte bei der Saitenfraktion nicht wirklich und so prügelte man sich solide aber recht unspektakulär durch die Setlist. Lediglich der letzte Song klang so wie ich mir den ganzen Gig vorgestellt habe - Mächtig, stampfend und tödlich!
Spearhead ernüchterten dann meine Vorstellungen zum zweiten Mal. Gefreut hab ich mich auf eine gekonnte Mixtur aus Death/Thrash mit harschen schwarzen Vokills. Geboten bekam die in der Zwischenzeit angeschwollene Masse vor der Bühne die volle Thrashbreitseite. Der Meute hat’s sichtlich gefallen. Vom ersten bis zum letzten Akkord war die gesamte erste Reihe voll dabei und auch in den hinteren Rängen gab man sich vereinzelt dem beliebten Mattenkreisen hin. Da Thrash ganz und gar nicht mein Jagdrevier ist, erlaub ich mir hier auch kein Urteil über die musikalische Leistung. Der Sound allerdings ging voll in Ordnung und krachte wuchtig aus der PA.

Einen wirklich harschen Stilbruch gab es im Anschluss mit Raven Black Night. Der Ersatz für die leider ausgefallenen OLD begann sehr doomig und entwickelte sich mit zunehmender Spielzeit zu einem oldschool Heavy Metal Geschütz. Die Masse hat’s gefreut und auch ich ertappte mich mehr als einmal beim grinsenden Mitwippen. Irgendwie schwoll in dieser Zeit mein Bierkonsum drastisch an. Einzig der Gesang balancierte auf einem schmalen Grad und rutsche mehrmals ins Lächerliche ab. Ein Kommentar hierzu vom überzeugten Fan Grit E.: “Edguy waren klasse!“
Nach guten 40 Minuten Heavy Metal und der obligatorischen Umbaupause war’s soweit. Mein persönliches Highlight betrat die Bühne.
Das Publikum stand nun dicht gedrängt vor der Bühne und harrte der Dinge die da kommen sollten. Negura Bunget betraten die Bühne und brachten allerlei ungewöhnliche Instrumente mit. Dann endlich begann es: Eine Stunde fesselnde Atmosphäre wie ich sie intensiver vorher nur ein oder zweimal erlebt habe! Die Mannen aus Rumänien schafften es tatsächlich die Stimmung ihrer Alben oder besser gesagt des aktuellen Outputs „Om“ auf die Bühne zu transportieren. Mit grenzenloser Begeisterung verfolgte ich dieses tiefschürfende Erlebnis. Es stimmte einfach alles, sogar das Wetter. Negura Bunget hebe ich hiermit auf meinen persönlichen Thron des Hells Pleasure. Keine andere der nachfolgenden Bands vermochte mich auf ähnliche Weise zu begeistern.

Mit dem letzten Ton von Negura Bunget endete auch meine Festivalschicht. Somit konnte ich mich endlich den anderen Annehmlichkeiten des Hells Pleasure widmen – Whisky-Cola um genau zu sein...(NM)

Tante Sayarin stand auch schon in freudiger Erwartung vor der Bühne, um sich vor ihren heimlichen Lieblingen Ancient Rites noch eine gewaltige Portion groovenden Death/Black Metal von Necros Christos durch die Gehörgänge fetzen zu lassen. Die drei sympathischen Berliner machten ihre Sache auch schon von Anfang an gut; der Soundmann ebenso- die Mucke preschte in amtlichen Qualitäten aus den Boxen und ließ die Fans toben. Necros Christos spielten mit Power und Leidenschaft ihr Set, das Publikum bedankte sich artig mit zahlreichen Sprechchören und der Pommesgabelinvasion from Hell.
Dann, aber dann...war es soweit: das belgische Black/Thrash-Urgestein Ancient Rites enterten die Bühnenbretter und legten auch gleich ordentlich los. Neben einigen neueren Sachen ihres aktuellen Longplayers „Rubicon“ spielten die Herrschaften auch viele ihrer Klassiker wie z.B. „Fatherland“ oder „Mother Europe“, was mich als absoluten Verfechter ihres Outputs „Fatherland“ total ausflippen lies. Leider lichteten sich die Reihen vor der Bühne schon merklich; das spiegelte leider auch die verhaltene Spielfreude der Band wieder, die etwas kühl und steril wirkten. Ancient Rites sollten mal wieder mehr touren um ihre Live-Qualitäten unter Beweis zu stellen. Nichtsdestotrotz kamen die Hartgesottensten voll auf ihre Kosten und liessen amtlich die Matten kreisen.
So endete der erste Tag des Hells Pleasure; Saya stoppte mit trinken und fing an zu saufen, um dann irgendwann mit einem seeligen Grinsen auf den Lippen in den Schlafsack zu kriechen und sich auf Tag Zwei zu freuen.

Samstag, 21.7.2007

Woher kamen nur diese Augenringe? War wohl spät gestern, Frl. Sayarin...irgendwie schaffte ich das Wunder und kam quicklebendig gegen frühen Nachmittag vor die Bühne, um mir Earth Flight anzuschauen. Und ich wurde mehr als positiv überrascht. Die Nürnberger hatten wohl neben der Tatsache, dass es sich bei ihrer Musik nicht um Grunzschreiröchelmetal handelt, einen schweren Stand – die Openerposition auf einem Festival als Nicht-Extrem-Kapelle ist wahrlich nicht der schönste Segen. Dementsprechend fanden sich auch relativ wenige Leute vor der Bühne ein, die aber von einem regelrechten Melodie-Overkill und groovenden Doom-Parts so richtig wachgerüttelt wurden. Earth Flight zockten trotz verhaltener Publikumsresonanz ein amtliches Set und liessen bei dem einen oder anderen in 70er Jahr-Erinnerungen schwelgen. Mir hat’s gefallen.
Dann folgte einer der heimlichen Höhepunkte des Festivals: Defloration luden zum Schlachtfest mit viel Freibier anlässlich des gestrigen Geburtstags von Fronthühne Uwe ein. Und ich muss sagen, dass ihre Musik – brutaler Death Metal der US-Marke- bei diesem Gig fast schon nebensächlich geworden ist, drängten sich doch viele Metalheads nur zur Bühne vor, um einen Becher Freibier von den aufgestellten Fässchen zu ergattern. Trotzdem moshten und bangten viele Fans der Lokalmatadore sich die Rübe vom Kopf und erheiterten sich über die zugegebenermaßen sehr witzigen Ansagen von Defloration-Uwe. Ein spaßiger Gig war’s trotz des einsetzenden Regens allemal; in diesem Sinne verzog ich mich zu meinem Zeltplatz, um dem Bier im Magen noch ein wenig feste Nahrung hinzuzumischen. Onkel Nattens, bitte übernehmen sie!(S)

Wechselhaftes Wetter, wenig Schlaf, kein Fleisch auf dem gesamten Gelände und zwei sehr gute Auftritte – Das ist die Bilanz des bisherigen Samstags. Etwas verspätet erscheine ich zu Doomshine und gucke dementsprechend komisch aus der Wäsche. In den ersten Minuten ihres Gigs ist wohl ein Gitarrengurt gerissen und Ersatz war nicht gleich zur Hand, wurde mir im Nachhinein berichtet - Shit Happens. Im Anschluss daran legten Doomshine los und zelebrierten noch ca. eine halbe Stunde lang ihren schwermütigen Doom. Ganz gefällig das ganze. Hübsche Melodieläufe und ein stimmungsvoll akzentuierendes Schlagzeug sorgten für die richtige Atmosphäre. Einzig der Gesang stieß mir fortwährend übel auf und verhagelte mir dadurch die Petersilie.
Dann endlich gab’s auch Fleisch!!! Der einzige Stand für warme Mahlzeiten wurde gnädiger Weise gegen 17 Uhr geöffnet um die nicht gerade geringe Nachfrage zu stillen.
Pünktlich zu Eure Erben fand sich alles an Turnschuh- und Kuttenträgern ein was das Hells Pleasure zu bieten hatte. Und so klangs dann auch was die drei Recken auf der Bühne zockten. Thrash, Thrash und nochmals Trash. Ich kann dazu nur sagen: Wems gefällt. Ich verzog mich aber nach drei Songs zum Zelt um weiterer „Folter“ zu entgehen.
Lange währte der Aufenthalt dort aber nicht, denn um nichts in der Welt hätte ich mir Helrunar entgehen lassen. Mit großer Freude stellte ich fest, dass die Münsteraner ihr Live Lineup wieder vervollständigt haben. So ging’s dann auch zu Frostnacht als Auftakt in die Vollen. Helrunar präsentierten sich spielfreudig wie eh und je und schmetterten einen Kracher nach dem Andern in die gierige Menge. Besonders herausragend war Skald Draugirs Klargesang bei „Hauch wird Sturm“ – einer der besten in diesem Genre. Einen Minuspunkt fahren Helrunar dennoch ein: Nicht ein Song des kommenden Albums wurde präsentiert, sehr schade. Einen weiteren Minuspunkt bekommt die Soundabteilung, denn bei dem Akustikpart von „Hauch wird Sturm“ ging irgendwas tierisch in die Hose.
Den Abschluss der musikalischen Seite bildet für mich als Pesseheini Opera IX. Diese italienische Horde bretterten ihre aus Black Metal und zahlreichen Versatzstücken versehenen Songs ins Publikum ohne aber wirklich große Reaktionen hervorzurufen. In Anbetracht des Materials wundert mich das auch nicht. Alles ganz solide, mal schnell mal schleppend, mal mit Keyboardteppich aber im Endeffekt zu gesichtslos und austauschbar. Und so ist auch nicht mehr hängen geblieben.(NM)

Meine Güte, Nattens...war doch ein super Tag für dich, nicht? Nun ja, jetzt musste ich wieder ran. Und das im halbbesoffenen Zustand; Deflorations Geburtstagsfreibier zollte seinen Tribut. Nun, da musste ich durch als Lurch und so zwängelte ich mich durch die Mengen, die sich auf dem Gelände eingefunden haben, um mir Desaster anzuschauen. Man merkte schnell, dass die Jungs einen absoluten Kultstatus einnehmen. Die Menge tobte, die Mucke thrashte oldschoolig, die Matten flogen. Und als der Song „Metallized Blood“ angekündigt wurde musste ich auch gleich unser aller Lieblingspage mit einem lauten „Metallized till Death!“ huldigen. Das wird aber wohl keiner so richtig mitbekommen haben, da sich die Fangemeinde in seeligen Mosh-Himmel befand. Ich fands solide und live absolut überzeugend.
Secrets of the Moon dürften in diesem Jahr so jedes Festival mitgenommen haben, was es gibt. Überall lese ich von Live-Präsenz der aufstrebenden jungen Black Metal Kapelle. So war es nicht verwunderlich, dass ich mir die Band nicht sehr lange ansah. Und irgendwie kam mir ihre Show auch recht hektisch und unsolide vor. Trotz vieler guter Songs, u.a. von ihrem aktuellen Longplayer „Antithesis“, wollte so recht keine Atmosphäre aufkommen. Dazu fing es auch an aus Eimern zu schiffen, was das Zeug hält. So trollte sich Frau S. wieder zurück auf den Zeltplatz, um den Rest des SOTM-Gigs von der Ferne aus zu hören.
Petrus scheint inzwischen wahrlich einen Kanten zu haben; der Regen wollte nicht aufhören und so hielt ich mich keine 10 Minuten bei den Italienern Mortuary Drape. Souverän zockten die Jungs ihr Set durch; trotz des Wetters fanden sich noch relativ viele Leute vor der Bühne ein, um zu den deathigen Black Metal der auch schon 21 Jahre bestehenden Band artig zu moshen und applaudieren.
Nun wurde es spannend. Shining kündigten sich an und schon stellte man sich die Frage: wie viel Blut wird fließen? Sänger Kvarforth sah mit seinen verbundenen Armen schon recht gefährlich aus und die Rasierklinge vor ihm zu Füssen liess kaum noch Raum für Spekulationen. Musikalisch zockten Shining ihr bekanntes Material und sorgten für eine mehr als düstere und depressive Atmosphäre. Und trotz eines halbstündigen Stromausfalls und weiterhin bestehenden Dauerregens nahm es die Band gelassen und brachten es fertig, keine Sekunde, nach dem der Strom wieder da war, diese Grundstimmung zu brechen. Und natürlich wurde die Rasierklinge benutzt. Ob man es passend oder einfach nur krank findet, sei dahingestellt. Shining sind, wer sie sind – kompromisslos und ein lebendiges Spiegel fieser menschlicher Abgründe. Ein durchaus gelungener Auftritt und würdiger Abschluss des Hells Pleasure 2007.(S)

Nun ist es an der Zeit ein Fazit zu ziehen!
In Zeiten in denen andere „underground Festivals“ in Thüringen auswimpen, gerne und mit breitem Grinsen ins Unermessliche wachsen, ist das Hells Pleasure eine Wohltat. Klein, fair und gemütlich. Man sieht es geht auch anders und trotzdem muss nicht an hochkarätigen Bands oder sonst was gespart werden. Besonders hervorheben möchte ich die jederzeit freundliche und kompetente Security. Die Jungs haben auf ganzer Linie einen überzeugenden Job abgeliefert. Hells Pleasure Crew – haltet die euch warm fürs nächste Jahr! Einen weiteren großen Pluspunkt gibt’s für die Soundcrew um Herrn Engel. Keine Band die ich gehört habe hatte nen Sound zum davonlaufen oder ähnliches. Alle Bands haben rein soundtechnisch überzeugen können!
Was die sanitären Einrichtungen angeht kann ich nur aus zweiter Hand berichten aber auch hier gab’s zum weitaus größeren Teil positive Resonanzen.

Was kann man der Crew ankreiden und wo müssen Verbesserungen vorgenommen werden?
Hauptkritikpunkt ist das mangelhafte Nahrungsangebot. Nur belegte Brötchen und ein Fleischer der gerne länger schläft reichen einfach nicht. Hier muss sich was ändern und auch an eine vegetarische Alternative sollte gedacht werden. Aber wie ich im Gespräch mit der Crew erfahren habe wurde dieses Manko klar erkannt und man gelobte Besserung. Desweiteren: Schlagt doch die 3€ Campingebühr auf das Ticket drauf. Auch 28€ sind mehr als fair und es erspart das wechseln und nach Kleingeld suchen am Geländeeingang. Fr mich persönliche wäre eine biertechnische Alternative zum Rosenpils mehr als wünschenswert. Das Zeug ist nicht Jedermanns Sache und macht dazu auch noch einen tierischen Brummschädel.

Unterm Strich bleibt ein Festival von Metallern für Metaller mit fairen Preisen, gemütlichem Ambiente und super Organisation! Hells Pleasure macht weiter so und wir sehen uns noch in vielen Jahren regelmäßig wieder...(NM)


P.S.: Bilder kommen auch noch... hoffe ich

DAIN
30.08.2007, 16:57
Schöner Bericht, dem Fazit kann ich nur zustimmen, bis auf ein paar Kleinigkeiten alles super gewesen! :)

Ich hoffe auch, dass noch ein paar Bilder kommen. ;)

Sayarin
30.08.2007, 21:26
Ja...die DVD von unserem Fotografen hat ne Macke...ich hoffe, dass diese Misere bald behoben ist.