Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alte Werte - Im neuen Gewand?
Des_Windes_Skalde
08.11.2007, 15:53
Servus,
diesen Text hatte ich schon in diversen Foren gepostet, bin mal gespannt, was ihr dazu denkt!
.................................................. .................................................
Heil euch!
Ich hatte letztens eine heftige Auseinandersetzung mit einem Freund über das "moderne" Leben nach heidnischem Glauben und Werten.
Ich vertrete die Ansicht , dass man in unserer "Gesellschaft" einfach nicht exakt wie unsere Vorfahren leben uns handeln kann, dass ist meiner Meinung nach allein durch technischen Fortschritt und neue Gesetze nicht möglich. Zum Beispiel, weil heutzutage (in der Regel) weniger eine kräftig geführte Streitaxt unsere Waffe ist, sondern viel mehr ein geschärfter und wendiger Verstand.
Ich finde eher, dass man sozusagen die Wurzeln beibehalten sollte (für mich sind das Werte wie Ehre, Loyalität, Tapferkeit in einem gewissen Sinne), als eine Art Grundgerüst und Wegweiser und dann mit eigenen Erfahrungen (die wir jeden Tag machen) auf diesem Grundgerüst aufbauen.
Ich denke mit dieser Methode kriegt man irgendwann ein Gefühl dafür, wie man sich in bestimmten "modernen" Situationen trotzdem nach altem Vorbild verhalten kann. Davon hatt man doch mehr, als sich, wie mein Freund, in den Irrglauben zu verstricken, man würde immer noch in der alten Zeit leben und könne sich genau so verhalten, oder?
Er warf mir z.B. vor, ich würde mich von den Wurzeln entfernen und ich habe es nicht geschafft, ihm meine Sicht der Dinge klarzumachen, obwohl ich es wirklich versucht habe. Die Wurzeln bleiben doch erhalten, nur wächst eben der Glauben und die Weltanschauung mit der Zeit mit. Das hat auch nichts mit Anpassung zu tun, sondern einfach mit Überlebensfähigkeit."
Was denkt ihr darüber?
Grüße
Skalde
Beschissen
08.11.2007, 16:11
Jeder Baum entfernt sich doch von seinen Wurzeln.
qed. :D
"Alte Werte" hin oder her...es reicht völlig aus wenn du/man kein opportunistisches, rückgratloses Arschloch b/ist. ;)
Editiert für Beschissen
Ist dein Freund so ein weltfremder, dogmatischer Re-enactment-Heide?
Ich bin jedenfalls deiner Meinung.
Und auch Ifrits Meinung.
Beschissen
08.11.2007, 17:10
Schreibt doch mal ein Lied darüber, etwa so:
"Wir Heiden erneuern längst vergessene Werte
und leben unser Leben, so wie die Edda es uns lehrte"
8o
Der Klugscheißer in mir sagt übrigens, daß das Ding da hinten eher ein Grat als Rat und damit Rückgrat ist :beschissen:
Des_Windes_Skalde
08.11.2007, 18:05
DerMarc:
Nein, er ist ein arrogantes weltfremdes Arschloch. :D
JohnLemon
08.11.2007, 18:33
Als ob die alten Germane alle die überehrlichen und moralisch unbedenklichsten Menschen überhaupt gewesen wären ... geht mir diese Verklärung auf den Sack.
Als ob Begriffe wie "Ehre", "Loyalität", "Tapferkeit", etc. etwas rein "heidnisches" wären ... Bullshit.
Genauso, wie die zehn Gebote nicht Dinge aufgreifen, die etwas rein jüdsiches/christliches sind ...
Original von Waldschrat
Genauso, wie die zehn Gebote nicht Dinge aufgreifen, die etwas rein jüdsiches/christliches sind ...
...oder der Weihnachtsmann nicht der einzigste ist, der nen Sack hat.
Ich denke auch man sollte mit diesen Verallgemeinerungen echt aufpassen. Klar eignen sich solche Sprüche (Ehre, Treue, Bla, Schwulst) immer recht gut für Met-Tralala-Songtexte, aber man sollte doch noch wissen, dass John MacLane im real life schon mindestens 10 Mal tot wäre.... Film ist Film, Musik ist Musik und beides ist Unterhaltung, die mit dem richtigen Leben erst mal nix zu tun hat. Als ob es tierisch ehrenvoll wäre, unbewaffnete Mönche in Lindisfarne abzuschlachten, aber es wird witzig, wenn man drüber singt.....
JohnLemon
08.11.2007, 18:55
Zumal, wenn ich mir anschaue, wer da immer großartig vom Heldentum erzählt ...
Ich kann das Problem aber schon verstehen. Diese ganzen lebensfremden Neopaganisten, für die das "Heidentum" beim Baum anfängt und beim Osterfeuer aufhört, sind einfach nur total dumm. Ja, einen anderen Ausdruck gibt es nicht dafür.
Ich meine, so bekloppt Christian Rock Festivals sein mögen, aber selbst da rennen sie nicht rum und schreien "Jeeeeeesuuuuus!", oder süppeln Wein und tragen Togen, ganz wie die alten Christen damals.
Wenn man sein Leben nach irgendwelchen Grundsätzen aufbauen will, dann geht das überall. Ehrenhafte Menschen wohnen nicht nur in agraren Kulturen in irgendwelchen Holzhütten und verkaufen Schinken an römische Touristen.
Stellt sich nur die Frage, wie man ehrenhaft definiert...
Sind Blutfeden ehrenhaft, oder Ehrenmorde?
Ich denke die Werte sollten sich an die Zeit anpassen und nicht umgekehrt. Nackt rumlaufen und sich von Fallobst ernähren, wie Adam und Eva, das ist das wahre Leben.
Des_Windes_Skalde
08.11.2007, 21:28
Nein, das war mit ehrenhaft nciht gemeint.
"Ehrenhaft" ist so ein netter Begriff wie "Heimatverbundenheit", "Liebe"... über den man sich totstreiten kann, weil der Begriff ja je nach Persönlichkeit stark variiert.
Ehre bedeutet für mich nicht, irgendwelchen Typen in die Fresse zu hauen, weil sie meine Mutter beleidigt haben (das nenne ich dann irgendwie anders :D), sondern einfach ein ehrliches, aufrichtiges und "mutiges" Verhalten in allen Lebenslagen.
Grüße
Skalde
Original von Des_Windes_Skalde
Ehre bedeutet für mich nicht, irgendwelchen Typen in die Fresse zu hauen, weil sie meine Mutter beleidigt haben (das nenne ich dann irgendwie anders :D), sondern einfach ein ehrliches, aufrichtiges und "mutiges" Verhalten in allen Lebenslagen.
Das ist schon klar, trotzdem ist es gefährlich, diesen Begriff mit einer zeitlichen Epoche oder einem kulturellen Background festzumachen. Und gefährlich nicht nur im Sinne von sich selbst lächerlich machen, sondern auch vom Weltbild her. Ist immer ne tolle Sache, wenn man jemand oder etwas anderem die Schuld an allem Schlechten der Welt geben kann, denn das bedeutet es letztendlich im Umkehrschluss, wenn als einzige Bedeutung von Ehre und allen anderen positiven Eigenschaften das eigene Weltbild verwendet wird. Da gerät man schnell in eine fundamentalistische Ecke, ganz egal ob jetzt faschistoid, religiös oder sonstwie.....
JohnLemon
08.11.2007, 22:00
Wir wissen doch eh alle, wer an allem Elend Schuld ist ...
;)
Original von exumer
Original von Waldschrat
Genauso, wie die zehn Gebote nicht Dinge aufgreifen, die etwas rein jüdsiches/christliches sind ...
...oder der Weihnachtsmann nicht der einzigste ist, der nen Sack hat.
Ich denke auch man sollte mit diesen Verallgemeinerungen echt aufpassen. Klar eignen sich solche Sprüche (Ehre, Treue, Bla, Schwulst) immer recht gut für Met-Tralala-Songtexte, aber man sollte doch noch wissen, dass John MacLane im real life schon mindestens 10 Mal tot wäre.... Film ist Film, Musik ist Musik und beides ist Unterhaltung, die mit dem richtigen Leben erst mal nix zu tun hat. Als ob es tierisch ehrenvoll wäre, unbewaffnete Mönche in Lindisfarne abzuschlachten, aber es wird witzig, wenn man drüber singt.....
mein persöhnlich post des Tages ;)
Original von Waldschrat
Wir wissen doch eh alle, wer an allem Elend Schuld ist ...
Der Marshmellow-Mann?
JohnLemon
08.11.2007, 23:42
Angela Merkel
dauðamaðr
09.11.2007, 08:13
Zu den an sich leeren Worten, die zu vollmundigen Idealen werden sollen, haben Marc und exumer schon viel Treffendes gesagt, weswegen ich da eigentlich nur noch anhängen will, daß es keine Manifeste, keine Fähigkeiten wie z. B. Langschiffebauen sind, die dir sagen, wer du bist, sondern deine Entscheidungen, deine Taten. Von daher solltest du weniger in den Foren nach einer Antwort suchen, sondern für dich einen Weg finden, Hochtrabendes wie "Ehre", "Heimatverbundenheit" und "Loyalität" mit Leben zu füllen.
Was mich interessieren würde, Des_Windes_Skalde, ist, was du dir unter "Wurzeln" und "nach altem Vorbild verhalten" vorstellst. Geographische Wurzeln? Ein Leben nach der Hávamál?
Ganz gleich welche Prozesse mit reinspielten, Christianisierung, Moderne, Aufklärung, haben wir uns doch von dem, was du als Wurzeln bezeichnest, über Jahrhunderte entfernt, willentlich getrennt. Wir haben vergessen, wie man sich nach altem Vorbild verhält. Es wurde aufgehört, sich Geschichten zu erzählen. Schon allein deswegen kann ich es nicht mehr hören, wenn von DEM Heidentum gesprochen wird. Wie soll das denn aussehen? Was diese neo-heidnischen Strömungen heute machen, sind lediglich Rekonstruktionsversuche. Deswegen würde ich das Ganze eher Patchworkheidentum nennen, weil sich dreist hier und da bedient zu werden scheint, um es dann als DAS zu verkaufen. Und nichts weiter! Ist das gelebte Tradition?
Eine überdauerte und damit lebendige heidnische Tradition, wie du sie dir wahrscheinlich vorstellst, findest du auf Island, aber NICHT in Mitteleuropa.
Original von dau ama r
Eine überdauerte und damit lebendige heidnische Tradition, wie du sie dir wahrscheinlich vorstellst, findest du auf Island, aber NICHT in Mitteleuropa.
Wer Gesetze zum Troll-Schutz erlässt und sogar einen Trollbeauftragten im Ministerium hat, dem kauf ich wirklich eine gelebte heidnische Tradition ab! Dennoch hat sich glaube im Zug der Moderne auch da viel geändert, was allerdings nicht schlimm ist, denn Kultur lebt von Veränderung uns Anpassung an Neues....
Ach ja, allen, die an religiös-kulturellen Unterschieden der ausgehenden Bronzezeit interessiert sind, empfehle ich dringend das Geschichtswerk des Herodot von Helikarnassos zu lesen. Es handelt zwar nicht in großem Maßstab vom nördlichen Europa, sondern eher von den angrenzenden Kulturen des Mittelmeer-Raums, jedoch bekommt man da eine sehr gute Vorstellung von dem Leben damals. Es gab halt nicht EINE heidnische Kultur, sondern für jeden kleinen Winz-Stamm eine komplett eigene, mit eigenen Göttern, eigenen Ritualen, eigenen Bräuchen. Genau das lässt sich dann auch wunderbar auf die Völker nördlich der Alpen übertragen, dass es eben nicht nur einen germanisch-skandinavischen Glauben etc. gab, sondern für jeden popligen Volksstamm was eigenes. Das, was wir als Heidentum kennen wurde zu großen Teilen in der Neoromantik und zur Zeit des Nationalsozialismus zusammengestückelt, um das Deutsche Reich auch damals schon in die Vergangenheit zu projizieren. So schön und toll das alles klingt, sollte man wirklich immer daran denken, dass das zu großen Teilen im 18., 19. und 20. Jahrhundert erfundener Humbug ist....
dauðamaðr
09.11.2007, 10:12
Original von exumer
Original von dau ama r
Eine überdauerte und damit lebendige heidnische Tradition, wie du sie dir wahrscheinlich vorstellst, findest du auf Island, aber NICHT in Mitteleuropa.
Dennoch hat sich glaube im Zug der Moderne auch da viel geändert, was allerdings nicht schlimm ist, denn Kultur lebt von Veränderung uns Anpassung an Neues....
Yepp, genau das meine ich mit lebendig. Und hierin liegt für mich das unsäglich Dumme solcher, äääääähm, wie soll ich sagen, Spezies wie Windskaldes Freund. Wie kann man etwas leben wollen, wenn man in seinem ganzen Streben derart verbockt ist, daß man eine "Lebensart", eine "Geisteshaltung" am liebsten einfrieren will. Das ist Stillstand. Das ist Devolution!
Aber nochmal zu dir, werter Threadstarter... Klar, du fragst, was wir von der beschriebenen Situation halten, aber ich weiß nicht genau, was du hören willst. Für mich klingt es so, als ärgertest du dich am meisten darüber, daß du "es nicht geschafft [hast], ihm [d]eine Sicht der Dinge klarzumachen"... Tja, dann eben nicht, würde ich sagen. Was soll's! Klar, eine starke Gemeinsschaft hilft im besten Falle dem Einzelnen, weswegen eine Gruppe durchaus Sinn macht. Aber gerade dieser Versuch einer klar umrissenen Standortbestimmung innerhalb und außerhalb des Neuheidentums kommt mir immer mehr wie 'ne Sandkastenrangelei vor. Wer gehört dazu, wer nicht. Ganz groß, also läuft doch wieder alles darauf hinaus, daß wenige eine Deutungshoheit anstreben. Um so sympathischer (und damit glaubwürdiger) sind für mich die, die von persönlichen Erfahrungen, z. B. mit Runen, sprechen und nicht versuchen, eine mögliche Auslegung zur einzig möglichen zu machen.
*edit* Ausdruck :D
Original von dau ama r
Original von exumer
Original von dau ama r
Eine überdauerte und damit lebendige heidnische Tradition, wie du sie dir wahrscheinlich vorstellst, findest du auf Island, aber NICHT in Mitteleuropa.
Dennoch hat sich glaube im Zug der Moderne auch da viel geändert, was allerdings nicht schlimm ist, denn Kultur lebt von Veränderung uns Anpassung an Neues....
Yepp, genau das meine ich mit lebendig. Und hierin liegt für mich das unsäglich Dumme solcher, äääääähm, wie soll ich sagen, Spezies wie Windskaldes Freund. Wie kann man etwas leben wollen, wenn man in seinem ganzen Streben derart verbockt ist, daß man eine "Lebensart", eine "Geisteshaltung" am liebsten einfrieren will. Das ist Stillstand. Das ist Devolution!
Das sind Jugendliche auf nem Hormontrip^^ Kitsch, Pathos und das Übersteigern von "Idealen" kommt uns das nicht allen etwas bekannt vor? ;)
Obsidian
09.11.2007, 10:45
Die Diskussion startet leider an einem falschen Punkt. Die Frage ist nicht ob (man so und so leben sollte), die Frage müsste wie (überhaupt?) lauten.
Lassen uns die geschichtlichen Überreste den Raum, von einem Lebenstil zu sprechen? Und bitte führt jetzt nicht die Hávamál an, diese Dichtung dürfte in etwa soviel vorchristlich-historischen Grundsatz in sich behergen wie "Mein Kampf".
dauðamaðr
09.11.2007, 11:13
@ Nattens
:ablach: Ja, ja, nur zu wahr! Doch leider schützt das Alter bekanntlich auch nicht vor Torheit.
@ Obsidian
Also dein Einwand ist im Grunde ein guter, nur soweit ich dem hier folgen kann, geht es bisher auch nicht darum "ob man so und so leben sollte", sondern ob man es kann. Und ob man es kann setzt sogar noch vor dem wie überhaupt an.
Geschichte, die Raum läßt, um von einem Lebensstil zu sprechen? Ich glaube, ich verstehe dich nicht ganz und deswegen weise mich zurecht, wenn das an deiner Frage vorbeigeht... Natürlich ist Archäologie nicht unfehlbar, aber wenn ich mir z. B. die Ausgrabungsbefunde von Haithabu oder Nydam anschaue, habe ich das Gefühl, daß anhand der Fundstücke zumindest Lebensumstände rekonstruiert werden können. Und es scheint, daß sich weite Teile des Neuheidentums einzig auf solche Fenster in die Vergangenheit stürzen, um nach altem Vorbild zu töpfern, zu schneidern und zu schmieden. Sie bilden lediglich den Alltag nach…
Gesicherte Rückschlüsse auf eine Geisteshaltung lassen archäologische Funde natürlich nicht zu, da z. B. die Funktion von Kultgegenständen auch nur vage gedeutet wird bzw. die Wissenschaft sich bis heute über Übersetzungen von Runeninschriften streitet. Und genau da sind wir wieder bei dem Punkt, daß dieses "alte Wissen", der geistige Unterbau, verloren ist. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, daß die Frage ob man so leben kann mit Nein beantwortet werden muß. Weil man das "so" nicht kennt.
Aaaaaaaaaaaaber, wir haben mit Marc und exumer ja auch zwei vom Fach, die da sicher mehr zu sagen können.
Haha, ja, ganz recht, die literarischen Quellen... Und trotzdem sind es bei aller Problematik wie Autorenfrage, Rezeptionsgeschichte, Editionen oder Auslegung genau sie, die herangezogen werden, nicht zuletzt weil sie den reichhaltigsten Fundus bilden. Sage ich aus literaturwissenschaftlicher Sicht... ;)
*edit* Arschkriecherei :D Uuuuund nochmal, gibt einem echt zu denken...
Obsidian
09.11.2007, 11:32
Original von dau ama r
Aus diesem Grund bin ich der Meinung, daß die Frage ob man so leben kann mit Nein beantwortet werden muß. Weil man das "so" nicht kennt.
Genau das wollte ich ausdrücken. Insofern liegt da schon eine richtige Interpretation deinerseits vor.
edit: Nicht falsch verstehen, natürlich gibt es eine Vielzahl aufschlussreicher geschichtlicher Quellen und Funde, aber diese stumpfe Vermischung und ahistorische Vergewaltigung geht mir gewaltig gegen den Sender.
Des_Windes_Skalde
09.11.2007, 12:05
Was mich interessieren würde, Des_Windes_Skalde, ist, was du dir unter "Wurzeln" und "nach altem Vorbild verhalten" vorstellst. Geographische Wurzeln? Ein Leben nach der Hávamál?
Ich wollte mit diesem Thema zum Ausdruck bringen, dass ich es sehr schade finde, dass Wertvorstellungen wie Ehre, Loyalität, Ehrlichkeit... in der heutigen Gesellschaft in der Regel sehr in Vergessenheit geraten, obwohl sie ja in einem gewissen Sinne auch Grundlagen für eine gut funktionierende Gemeinschaft sind. Natürlich sind diese Werte nicht von einem bestimmten Ort, Land... abhängig, ich habe sie trotzdem einfach mal auf "unsere Vorfahren" bezogen, anders wäre ich mit besagter Person :D erst gar nicht so ins Gespräch gekommen.
Brynhild
15.05.2008, 11:24
was ich bedenklich finde ist, daß Leute die einigermassen keine weltfremde Reenactment und Mittelalter Freaks sind, neigen zu politisch bedenklichen konservativen Ansichten a la Varg Vikernes.
Hatte auch mal öfters eine Konversation mit sonst recht belesenen Burschen , ich finde es wahnsinn, daß sie die reinheit der Herkunft oder (christliche?) Einstellung zu Frauen, (zb Frau darf nicht kämpfen) mit Heidentum verbinden . 8o
Andere Sparte von Heiden, scheinen einfach Jesus Christus mit alten Göttern auszutauschen. Sonst passiert gar nichts.
Allgemein sehr komplexes thema. Man könnte jeden Vers von Edda, jeden Runenstein oder griechieschen Mythen analysieren und mit heute vergleichen, oder versuchen auf heute anzuwenden.
Anstatt daß sie sich mühe machen, vereinfachen die meisten das Thema in dem sie Heidentum in zeitgenössischen moralischen und spirituellen Vorstellungen, Freizeitbeschäftigungen, christlichen Idealen oder politischen Ideologien verbinden
Es sind so viele Fragen.
Ich meine kann man zu Göttern so beten wie es Christen tun? Ich meine nicht.
Die Götter bestimmten jeweilige ethische und moralische Werte.
Bedienten sich die Götter nicht der Axt während die Christen Moralität und Vernunft im Stile von Kant predigen? :rolleyes:
Unsere Gesellschaft, der so genannte Verstand ist für mich sehr christlich orientiert.
Für mich ist die Botschaft aus der Vergangenheit, daß die Vernunft nicht immer die beste Lösung ist, daß die Vernunft und Humanität auch zur Verhängnis werden kann, wenn ich bedenke daß man üble Gestalten wie Josef Fritzl nach 15 Jahren wieder freilassen möchte...
Ist nicht der so gepriesene Verstand und die Vernunft nicht womöglich ein Grund für typische Neurosen und Schwächen unseres Zeitalters? Junge Leute spüren das und gründen Subkulturen auf der Suche nach Alternativen.
Ich meine natürlich nicht, daß man sich gleich wie Schimpansen verhalten sollte.
Andere für mich wichitge Botschaft ist die gesellschaftliche Stellung der Frau, Christentum hat während der Jahrhunderte die Rolle der Frau reduziert und minimiert bis wir heute alle daran glauben.
"Ehrenhaft" ist so ein netter Begriff wie "Heimatverbundenheit", "Liebe"
Eben, das ist das was ich nicht verstehe, wenn die Heiden damals so heimatverbunden gewesen wären, hätte die Völkerwanderung nie stattgefunden :rolleyes:
So ein Quark.
...oder der Weihnachtsmann nicht der einzigste ist, der nen Sack hat.
Ich denke auch man sollte mit diesen Verallgemeinerungen echt aufpassen. Klar eignen sich solche Sprüche (Ehre, Treue, Bla, Schwulst) immer recht gut für Met-Tralala-Songtexte, aber man sollte doch noch wissen, dass John MacLane im real life schon mindestens 10 Mal tot wäre.... Film ist Film, Musik ist Musik und beides ist Unterhaltung, die mit dem richtigen Leben erst mal nix zu tun hat. Als ob es tierisch ehrenvoll wäre, unbewaffnete Mönche in Lindisfarne abzuschlachten, aber es wird witzig, wenn man drüber singt..
herrlich :D
Ich denke damals wie heute, hatten Ideale nichts mit realität zu tun.
Mich beschäftigt die Sache mit Lindisfarne schon länger.
Wehrten sich die Mönche in Wirklichkeit?War das reiner Opportunismus? Hungersnot? Oder spielten da die falsch interpretierten Ideale eine Rolle
Ich habe wo gelesen, daß Mord, während der Nahrungsbeschaffung weniger verpönnt wie Diebstahl war, daß es heldenhafter war die Nahrung zu erkämpfen . Genauso wie die Idee des Walhall eine Rolle spielte in den nur Krieger reindurften, und keine Diebe.
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